Akademischer Bericht kritisiert „teuerste Schule der Welt“ dafür, bei Mobbing ein Auge zuzudrücken

  • Ein heute von einem Mitglied des International Observatory of Violence in Schools veröffentlichter Bericht zeigt, dass Privatschulen ihre Schüler trotz hoher Gebühren nicht vor schwerwiegendem (Cyber)Mobbing schützen können.
  • Ein führender Experte hat Bedenken geäußert, da Schulen oftmals ihren Ruf priorisieren, indem sie Opfer bestrafen, die sich zu Wort melden; dadurch fühlen sich die Täter letztendlich in ihren Handlungen bestärkt.
  • Das Institut Le Rosey, die teuerste Schule der Welt, ist Gegenstand eines aufsehenerregenden Gerichtsverfahrens in der Schweiz, da es nicht in der Lage war, eine seiner Schülerinnen zu schützen.

GENF, July 23, 2020 (GLOBE NEWSWIRE) -- Dr. Eric Debarbieux, emeritierter Professor der Universität Paris-Est und Mitglied des International Observatory of Violence in Schools, hat davor gewarnt, dass einige Privatschulen es nicht schaffen, ihre Schüler vor Mobbing zu schützen und Werte wie Toleranz und Respekt zu wahren.

Dr. Eric Debarbieux hat darüber gesprochen, wie einige Schulen es versäumen, ihr Personal angemessen zu schulen. Dies führt dazu, dass schwerwiegende Mobbingvorfälle übersehen oder bagatellisiert werden. Die Opfer werden nicht ernst genommen oder, noch schlimmer, dafür, dass sie sich zu Wort melden, bestraft: Ihnen widerfährt also eine „doppelte Bestrafung“.

In der Folge hat er Schulen dazu aufgefordert, sicherzustellen, dass das gesamte Personal seine Pflicht zum Schutz und zur Betreuung der Schüler anerkennt und im Umgang mit schwerwiegenden Mobbingvorfällen ausreichend geschult wird.

Debarbieux gab ferner zu verstehen, dass dies „oftmals“ bei den „angesehensten Institutionen“ der Fall ist, die sich häufig hauptsächlich um den Ruf der Schule sorgen. Deshalb ist dort das „Leugnen von Schikanen am stärksten“.

Insbesondere geht Dr. Debarbieux auf ein solches Beispiel am Institut Le Rosey, der teuersten Schule der Welt, ein.1 Aufgrund einer angeblichen Unterlassung der Schule, blieb Radhika und Pankaj Oswal, den Eltern einer Schülerin, keine andere Wahl als in der Schweiz rechtliche Schritte gegen die Schule einzuleiten.

Nach Behauptungen schwerwiegender Mobbingvorfälle gegen ihr Kind gaben die Eltern ihre Bedenken an die Lehrer der Schule weiter und baten darum, dass Maßnahmen ergriffen werden, um die Sicherheit ihres Kindes zu gewährleisten.

Offenbar wurden jedoch keine Maßnahmen ergriffen, und das Personal wollte das ganze Problem herunterspielen. Dr. Debarbieux äußerte sich zu diesem Fall und lieferte die Fakten, so wie sie sich zugetragen haben. Dabei stellte er fest, dass das Personal von Le Rosey dieses Problem nicht so ernst genommen hatte wie erforderlich und so in diesem Fall weitere Probleme verursacht hatte.

Le Rosey zeigte keine Bereitschaft, das Problem anzuerkennen. Stattdessen wurde die erneute Anmeldung des Kindes ohne entsprechende Begründung rückgängig gemacht.2 Laut der Familie hat sich die Schule geweigert, sich dafür zu entschuldigen, und das Mobbing jüngst als einen „banalen, kurzen Streit zwischen Teenagern“ abgetan.

Der Experte hat erklärt, dass dies ein eindeutiger Fall von „doppelter Bestrafung“ ist, bei dem das Opfer nicht nur von den Tätern bestraft wird, sondern auch von den Menschen, die es schützen sollen; in diesem Fall das Schulpersonal. 

Dr. Eric Debarbieux:

„Aufgrund der mir vorliegenden Fakten hätte Le Rosey die Angelegenheit ernster nehmen müssen, wodurch die anhaltenden Schikanen hätten verhindert werden können. Alle in diesen Fällen ergriffenen Maßnahmen müssen stets darauf abzielen, dem Opfer zuzuhören und es zu schützen. Stattdessen können Opfer leider von der Schule bestraft werden, sodass sich die Täter in ihren Handlungen bestärkt fühlen.“

Der Bericht fordert Privatschulen dazu auf, klare Präventionsrichtlinien zu erstellen. Damit soll gewährleistet werden, dass es einen sicheren Prozess gibt, der es den Opfern ermöglicht, jedwede Bedenken zu äußern, und ihnen garantiert, dass man ihnen zuhört und sie ernst nimmt. Im Bericht steht weiter, dass dies auch eine angemessene Schulung für Personal im Umgang mit Schikanen und Cybermobbing an Schulen umfassen sollte.  

Die Eltern der Schülerin, Radhika und Pankaj Oswal, äußerten sich wie folgt:

„Dr. Debarbieux hat gezeigt, wie Schulen wie Le Rosey in ihrer Verantwortung für das Wohlergehen eines Kindes versagen. Schulen wie Le Rosey sollten ihre Ressourcen nutzen, um effektive Richtlinien für den Schutz der Schüler zu entwickeln. Leider war dies nicht der Fall.

Es freut uns, dass er sich des Falls unserer Tochter angenommen hat. Beiträge wie diese sollten konstruktiv dazu verwendet werden, diese Schulen darüber nachdenken zu lassen, wie eine erstklassige Bildung wirklich aussieht, und Maßnahmen zu ergreifen, um angemessene Schulungen für ihr Personal zu ermöglichen, anstatt als Spielplatz der Superreichen zu dienen.

Unsere Tochter besteht darauf, dass diese unglückliche Zeit in ihrem Leben eine positive Entwicklung anstoßen sollte. Wir hoffen, diesen Moment nutzen zu können, um ein positives Vermächtnis zu schaffen, das sicherstellt, dass Schüler nie mehr in solch eine Situation wie unsere Tochter geraten.“

Dr. Eric Debarbieux, emeritierter Professor der Universität Paris-Est, Mitglied des International Observatory of Violence in Schools.

debarbieux.antibullyingreport@gmail.com

Hinweise an die Redaktion

  • Eric Debarbieux ist emeritierter Professor der Bildungswissenschaften an der Universität Paris-Est Créteil (Frankreich). Er ist ein internationaler Experte in Sachen Gewalt und Mobbing an Schulen. Zuvor war er im französischen Bildungsministerium für die öffentliche Politik gegen Mobbing und Gewalt an Schulen verantwortlich. Er ist Mitbegründer des International Observatory of Violence in Schools. Dr. Debarbieux hat 11 Bücher über Gewalt an Schulen, Mobbing und Schulklima veröffentlicht.
  • Pankaj und Radhika Oswal sind eine erfolgreiche indische Familie mit Wohnsitz in der Schweiz. Die Familie hat zahlreiche Geschäftsanteile auf der ganzen Welt. Der Fall wurde am 30. September 2019 bei den Schweizer Gerichten eingereicht.

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1 https://www.dailymail.co.uk/news/article-8281345/Billionaire-parents-sue-worlds-expensive-school-claims-daughter-bullied.html

2 https://www.thetimes.co.uk/article/scandal-at-the-school-for-the-super-rich-r60z5x0vk